Berufsbezeichnung: Rechtsanwalt  ·  Zuständige Kammer: Rechtsanwaltskammer Düsseldorf
OLG-Hamburg-Kanzlei – Klarnamen-Beschluss erstritten (Az. 7 W 11/24) ✦ AKTUELL: kununu verliert Prozess in der Hauptsache Von SterneAdvo erstritten: OLG Hamburg 7 U 8/25 unanfechtbar · LG Hamburg 324 O 315/24 rechtskräftig Zur Entscheidung
Ratgeber

Kununu: schlechte Bewertung – was tun?

Eine schlechte Kununu-Bewertung ist nicht automatisch rechtswidrig – und nicht jede lässt sich entfernen. Angreifbar sind vor allem drei Fälle: unwahre Tatsachenbehauptungen, Beleidigung oder Schmähkritik und Bewertungen ohne erkennbaren Beschäftigungs- oder Bewerbungsbezug. Eine sachliche negative Meinung eines echten Mitarbeiters ist dagegen von der Meinungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG) gedeckt. Der erste Schritt ist deshalb nüchtern: prüfen, in welche Kategorie die Bewertung fällt. Erst danach entscheidet sich, ob und wie Sie dagegen vorgehen können.

Eine schlechte Bewertung – und plötzlich steht sie oben im Profil

Die meisten entdecken sie zufällig. Ein Bewerber erwähnt sie im Gespräch, eine Kollegin schickt den Link, oder sie taucht beim eigenen Namen in der Google-Suche auf: eine neue Bewertung auf dem Kununu-Profil, ein Stern, ein Satz, der sitzt. „Chaotische Führung", „Mitarbeiter werden nur benutzt", vielleicht ein konkreter Vorwurf, der so nie passiert ist. Darunter: kein Name. Nur ein anonymes Kürzel und ein Datum.

Was dann folgt, kennen viele Geschäftsführerinnen und HR-Verantwortliche: dieses Gefühl, dass hier jemand mit wenigen Zeilen etwas beschädigt, das über Jahre aufgebaut wurde – und sich nicht einmal zu erkennen gibt. Man geht die letzten Kündigungen durch, rätselt, wer es gewesen sein könnte, und merkt: Man kann es gar nicht wissen. Genau das macht eine anonyme Negativbewertung so belastend. Bevor Sie reagieren, ist es wichtig, einen Schritt zurückzutreten. Nicht jede schlechte Bewertung ist ein Rechtsverstoß – aber manche sehr wohl. Der Unterschied entscheidet über alles Weitere.

Rechtsanwalt Jan Meyer, SterneAdvo – Vorgehen gegen rechtswidrige Kununu-Bewertungen
Rechtsanwalt Jan Meyer, SterneAdvo (Düsseldorf) – spezialisiert auf das Vorgehen gegen rechtswidrige Arbeitgeberbewertungen.

Ist eine schlechte Kununu-Bewertung überhaupt rechtswidrig?

Das ist die zentrale Frage – und die Antwort lautet: Es kommt darauf an, was gesagt wird, nicht wie hart es klingt. Kununu ist eine Plattform für Arbeitgeberbewertungen, und negative Erfahrungen dürfen dort grundsätzlich geäußert werden. Die Meinungsfreiheit nach Art. 5 Abs. 1 GG schützt auch scharfe, einseitige und für das Unternehmen unangenehme Kritik. Eine schlechte Bewertung ist also zunächst erlaubt – und wird erst dann rechtlich angreifbar, wenn sie eine bestimmte Grenze überschreitet.

Für eine erste Einordnung hilft eine einfache Prüf-Logik. Fragen Sie sich der Reihe nach:

1. Steht darin eine Tatsache – und ist sie falsch?

Eine Tatsachenbehauptung lässt sich mit „wahr oder unwahr" beantworten. „Das Gehalt kam drei Monate zu spät" ist eine Tatsache. Stimmt sie nicht, ist sie als unwahre Tatsachenbehauptung angreifbar (§ 824 BGB, § 823 Abs. 1 BGB). Eine Meinung dagegen – „Die Führung ist chaotisch" – ist eine Wertung und bleibt grundsätzlich zulässig. In der Praxis mischen sich beide oft: Dann kommt es auf den überprüfbaren Tatsachenkern an.

2. Geht es noch um die Sache – oder nur ums Herabwürdigen?

Steht nicht mehr die Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber im Vordergrund, sondern die reine Herabsetzung – Beschimpfungen, ehrverletzende Ausdrücke gegen das Unternehmen oder einzelne Personen –, liegt Schmähkritik oder Beleidigung vor. Diese Grenze ist eng, aber sie existiert, und sie ist angreifbar.

3. Gab es überhaupt einen echten Kontakt?

Kununu-Bewertungen setzen einen Beschäftigungs- oder Bewerbungsbezug voraus. Fehlt jeder Anhaltspunkt, dass die bewertende Person je bei Ihnen beschäftigt war oder sich beworben hat, kann die Bewertung ohne tatsächlichen Geschäftskontakt abgegeben worden sein – etwa von einem Wettbewerber, einem frustrierten Kunden oder jemandem, der schlicht etwas verwechselt. Auch das ist ein eigenständiger Angriffspunkt.

Was NICHT angreifbar ist: die ehrliche, sachlich gehaltene negative Meinung einer Person, die wirklich bei Ihnen gearbeitet hat. Das ist unbequem, aber rechtlich zulässig – und der Versuch, so etwas „wegzubekommen", führt in aller Regel ins Leere. Dass dieser Unterschied offen benannt wird, ist für Sie ein wichtiger Anhaltspunkt.

Warum anonyme Bewertungen besonders unfair wirken – und wieso Anonymität kein Hindernis ist

Das eigentlich Zermürbende an vielen Kununu-Bewertungen ist nicht die Kritik an sich. Es ist die Mischung aus Anonymität und Reichweite: Jemand äußert einen schweren Vorwurf, bleibt unsichtbar – und das Unternehmen kann nicht einmal überprüfen, ob überhaupt je ein Kontakt bestand. Der gute Ruf, an dem ein Team über Jahre gearbeitet hat, steht neben einem Satz, hinter dem niemand mit seinem Namen steht.

Viele glauben, gerade diese Anonymität mache sie wehrlos. Das Gegenteil ist der Fall. Genau hier setzt eine Entscheidung an, die SterneAdvo vor dem Oberlandesgericht Hamburg erstritten hat (Beschluss vom 08.02.2024, Az. 7 W 11/24): Rügt ein bewertetes Unternehmen, dass hinter einer Bewertung kein überprüfbarer Geschäftskontakt erkennbar ist, muss das Portal nach dieser Rechtsprechung den Vorgang so individualisieren, dass das Unternehmen den behaupteten Kontakt überprüfen kann – oder die Bewertung entfernen. Anonymität schützt die Bewertung also nicht, sondern verlagert die Verantwortung auf das Portal. Es muss belastbar machen, dass ein realer Bezug bestand – sonst fällt die Bewertung.

OLG-Hamburg-Kanzlei – Klarnamen-Beschluss erstritten (Az. 7 W 11/24)
OLG Hamburg, Beschluss vom 08.02.2024 · Az. 7 W 11/24

Was kann ich gegen eine schlechte Kununu-Bewertung tun?

Wenn die Prüfung ergibt, dass eine Bewertung in eine der angreifbaren Kategorien fällt, gibt es einen realistischen, abgestuften Weg. Ehrlich dargestellt sieht er so aus:

  1. Beweise sichern. Bevor irgendetwas passiert: einen vollständigen Screenshot der Bewertung mit Datum und URL anfertigen. Verschwindet die Bewertung später und taucht in anderer Form wieder auf, ist dieser gesicherte Ausgangszustand Gold wert.
  2. Sachlich und substantiiert beanstanden. Eine Beanstandung über Kununu muss konkret begründet sein – welche Aussage warum unwahr, ehrverletzend oder ohne Kontakt ist. Eine pauschale „Bitte löschen"-Meldung läuft dagegen oft ins Leere.
  3. Den Unterlassungsanspruch gegen das Portal geltend machen. Der eigentliche Hebel liegt nicht beim anonymen Verfasser, sondern bei Kununu selbst. Das Portal haftet als mittelbare Störerin und Verbreiterin: Ab dem Moment, in dem es von einer konkret begründeten Beanstandung Kenntnis hat, treffen es Prüf- und Handlungspflichten. Kommt es dem nicht nach, lässt sich der Unterlassungsanspruch (§ 1004 Abs. 1 BGB analog i. V. m. § 823 Abs. 1 BGB) geltend machen und – wenn nötig im Eilverfahren – gerichtlich durchsetzen.
  4. Den Titel absichern. Ein durchgesetzter Unterlassungstitel wirkt in die Zukunft: Er erfasst auch kerngleiche Wiederholungen – also dieselbe Aussage in leicht anderen Worten – und ist mit Ordnungsgeld bis zu 250.000 € pro Verstoß bewehrt (§ 890 ZPO). Das ist der Unterschied zwischen „heute weg" und „darf nicht wieder".

Dieser letzte Punkt ist entscheidend und wird selten erklärt: Eine bloße Meldung löst beim Portal zunächst nur die Prüfpflicht nach dem Digital Services Act (Art. 16 DSA) aus. Das Ergebnis ist häufig nur eine vorübergehende Deaktivierung – die Bewertung kann wieder erscheinen, oder der Verfasser schiebt eine neue nach. Wer dauerhaft Ruhe will, braucht nicht die schnellste Löschung, sondern die belastbarste Durchsetzung.

Lässt sich das ganze Kununu-Profil löschen?

Diese Frage stellen viele – und hier ist Ehrlichkeit wichtiger als eine bequeme Antwort: Das Firmenprofil als solches ist in aller Regel nicht löschbar. Kununu betreibt die Profile als Teil eines zulässigen Bewertungsportals; ein pauschaler Anspruch, „aus Kununu zu verschwinden", besteht nicht. Der realistische Weg führt deshalb nicht über das Profil, sondern über die einzelnen rechtswidrigen Bewertungen. Jede davon wird eigenständig geprüft und, wenn sie angreifbar ist, einzeln angegangen. Das ist aufwendiger als ein Knopfdruck – aber es ist der Weg, der trägt.

Was hilft nicht? Drei verbreitete Irrtümer

Irrtum 1: „Ich lasse das einfach schnell und günstig löschen."

Viele Angebote am Markt – auch anwaltliche – umfassen im Regelfall nur die Meldung der Bewertung, nicht die Durchsetzung eines Unterlassungsanspruchs. Über das Risiko, dass eine so „gelöschte" Bewertung später wieder auftaucht, wird dabei meist nicht aufgeklärt. Für den ersten Schritt kann eine Meldung genügen. Entscheidend ist, was passiert, wenn die Bewertung bleibt oder wiederkommt – und ob das Vorgehen die rechtliche Durchsetzung überhaupt einschließt.

Irrtum 2: „Ich antworte einfach selbst – das reicht."

Eine ruhige, professionelle öffentliche Antwort kann sinnvoll sein und zeigt anderen Lesern Haltung. Als alleinige Reaktion auf eine rechtswidrige Bewertung reicht sie aber nicht: Die Bewertung bleibt stehen, und eine unbedacht formulierte Antwort kann die Situation sogar verschärfen. Antwort und rechtliches Vorgehen sind zwei verschiedene Ebenen.

Irrtum 3: „Gegen eine anonyme Bewertung kann man ohnehin nichts machen."

Das ist der folgenschwerste Irrtum. Gerade die Anonymität ist – wie oben beschrieben – ein Hebel, kein Hindernis. Und auch wenn es nach einem Löschversuch heißt, „da lässt sich nichts mehr machen", stimmt das rechtlich oft nicht: Eine kerngleiche neue Bewertung, die die alte Aussage nur umformuliert, ist regelmäßig angreifbar.

Fazit: Erst prüfen, dann richtig vorgehen

Eine schlechte Kununu-Bewertung ist kein Grund zur Panik – aber auch keiner, den man einfach hinnimmt. Der erste Schritt ist immer die nüchterne Einordnung: Handelt es sich um eine zulässige Meinung oder um eine unwahre Tatsachenbehauptung, Schmähkritik oder eine Bewertung ohne echten Kontakt? Fällt sie in eine der angreifbaren Kategorien, führt der Weg nicht über das Profil, sondern über die einzelne Bewertung – und der eigentliche Hebel ist der Unterlassungsanspruch gegen das Portal als mittelbare Störerin. Dass dieser Weg trägt, zeigt die Entscheidung des OLG Hamburg (Beschluss vom 08.02.2024, Az. 7 W 11/24). Wichtig ist nur, früh die Beweise zu sichern und die Bewertung sauber prüfen zu lassen, statt auf die schnellste Löschung zu setzen.

Rechtsanwalt Jan Meyer, SterneAdvo

Jan Meyer

Rechtsanwalt & Geschäftsführer, SterneAdvo (Düsseldorf)

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Häufige Fragen

Kann ich jede schlechte Kununu-Bewertung löschen lassen?

Nein. Löschbar sind vor allem unwahre Tatsachenbehauptungen, Beleidigungen, Schmähkritik und Bewertungen ohne überprüfbaren Geschäftskontakt. Eine sachliche negative Meinung einer Person, die wirklich bei Ihnen beschäftigt war, ist von der Meinungsfreiheit gedeckt und bleibt in der Regel bestehen. Entscheidend ist die Prüfung des Einzelfalls.

Muss ich wissen, wer die Bewertung geschrieben hat?

Nein. Das Vorgehen richtet sich im Regelfall gegen das Portal als Verbreiterin, nicht gegen den anonymen Verfasser. Nach der Rechtsprechung des OLG Hamburg (Beschluss vom 08.02.2024, Az. 7 W 11/24) muss das Portal den behaupteten Kontakt so individualisieren, dass Sie ihn überprüfen können – oder die Bewertung entfernen.

Hilft es, die Bewertung über Kununu zu melden?

Für einen ersten Schritt ja – aber mit einer wichtigen Einschränkung. Eine Meldung löst beim Portal nur die Prüfpflicht nach Art. 16 DSA aus; das führt häufig nur zu einer vorübergehenden Deaktivierung. Dauerhafte Ruhe schafft erst ein durchgesetzter Unterlassungsanspruch, der auch kerngleiche Wiederholungen erfasst.

Kann die Bewertung nach dem Löschen wieder auftauchen?

Ja, das kommt vor. Solange nur gemeldet, aber kein Unterlassungsanspruch durchgesetzt wurde, kann die Bewertung nach der Prüfung wieder erscheinen oder in leicht abgewandelter Form neu veröffentlicht werden. Ein titulierter Unterlassungsanspruch verhindert genau das (§ 890 ZPO).

Wie schnell sollte ich reagieren?

Zügig. Je früher Sie die Bewertung mit Datum sichern und prüfen lassen, desto besser ist die Ausgangslage – gerade, wenn ein Eilverfahren in Betracht kommt, bei dem es auf die Dringlichkeit ankommt.

Was kostet das Vorgehen gegen eine Kununu-Bewertung?

Die Kosten richten sich nach Schwierigkeit und Aufwand des individuellen Falls. Außergerichtlich arbeiten wir mit transparenten Festpreisen (zzgl. gesetzlicher USt.). Obsiegen Sie gerichtlich, trägt die gesetzlichen Prozesskosten am Ende das verbreitende und unterlegene Portal (§ 91 ZPO).

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