kununu Puls ist eine 2026 eingeführte Funktion, mit der Mitarbeitende einmal pro Woche anonym ihre aktuelle Stimmung abgeben; das Ergebnis erscheint fortlaufend aktualisiert auf dem Unternehmensprofil. Rechtlich entscheidend ist, dass eine Puls-Abgabe anonym und ohne Nachweis eines Beschäftigungsverhältnisses erfolgt. Lässt sich der erforderliche Beschäftigungsbezug nicht überprüfen, sind Puls-Einträge nach hier vertretener Auffassung angreifbar – gegen rechtswidrige Einträge kommt ein Unterlassungsanspruch in Betracht.
Wie funktioniert kununu Puls?
Nach den Angaben von kununu beantworten Mitarbeitende einmal wöchentlich in unter einer Minute eine kurze Frage zu ihrer aktuellen Stimmung. Die Teilnahme ist anonym, ein Freitext-Kommentar freiwillig. kununu zeigt den Stimmungswert als laufend aktualisierten Gesamtwert auf dem Profil; freiwillige Freitext-Kommentare erscheinen zusätzlich einzeln und im Volltext und sind nach dem Hinweis der Funktion „anonym auf kununu sichtbar". Puls ergänzt damit die klassischen kununu Bewertungen um ein fortlaufendes Stimmungssignal.
Warum sind Puls-Einträge rechtlich angreifbar?
Jede Arbeitgeberbewertung – auch eine einzelne Stimmungsabgabe – knüpft daran an, dass der Bewertende tatsächlich Kontakt zum Unternehmen hatte. Diese Anknüpfungstatsache enthält jede Abgabe als (konkludente) Tatsachenbehauptung; fehlt der Beschäftigungskontakt, ist auch ein darauf gestütztes Werturteil nicht gerechtfertigt. Bei Puls wird dieser Bezug nur als Selbstauskunft abgefragt und weder nachgewiesen noch überprüfbar gemacht. Bestreitet der Arbeitgeber einen echten Kontakt, muss das Portal den Angaben nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur Prüfpflicht von Bewertungsportalen bei bestrittenem Kontakt (BGH, Urteil vom 09.08.2022, Az. VI ZR 1244/20) nachgehen; lässt sich der Bezug nicht substantiieren, kommt ein Unterlassungsanspruch in Betracht. Jeder Freitext-Kommentar wird einzeln im Volltext angezeigt und ist beim Melden unter einer eigenen Referenznummer geführt; er lässt sich deshalb gezielt beanstanden. kununu weist darauf hin, die Puls-Ergebnisse seien anonym und Arbeitgeber hätten keinen Zugriff auf individuelle Angaben. Dass der Arbeitgeber den Verfasser nicht kennt, steht einem Vorgehen nach Auffassung der Kanzlei nicht entgegen – angegriffen wird nicht eine bestimmte Person, sondern die Zulässigkeit der Veröffentlichung. Gerade weil sich der behauptete Beschäftigungsbezug nicht überprüfen lässt, kann der Arbeitgeber ihn bestreiten; auf eine hinreichend konkrete Beanstandung hin muss das Portal als mittelbare Störerin dem Bezug nachgehen und ihn nachvollziehbar belegen oder den Beitrag entfernen. Das gilt vor allem für die einzeln im Volltext angezeigten Freitext-Kommentare, die sich konkret benennen lassen. Ob sich darüber hinaus eine einzelne, kommentarlose Stimmungsabgabe isoliert angreifen lässt, hängt davon ab, ob sie sich als eigenständiger Beitrag konkret bezeichnen lässt; soweit sie nur in den aggregierten Stimmungswert einfließt, richtet sich ein Vorgehen gegen diesen Wert, soweit er auf nicht überprüfbaren Beiträgen beruht. Ein bestimmtes Ergebnis ist damit nicht garantiert; es kommt auf den Einzelfall an. Enthält ein Freitext-Kommentar zusätzlich eine unwahre Tatsachenbehauptung oder Schmähkritik, verstärkt das die Angreifbarkeit.
Wie hoch ist das Missbrauchsrisiko bei kununu Puls?
Die Puls-Abgabe erfolgt nach den Angaben von kununu anonym; abgeben kann sie nur, wer bestätigt, aktuell im Unternehmen zu arbeiten – eine Selbstauskunft, kein Nachweis des Beschäftigungsverhältnisses. kununu gibt weiter an, auffällige Muster würden systemseitig geprüft und Kommentare vor Veröffentlichung moderiert, ein vollständiger Schutz vor Missbrauch lasse sich aber nicht garantieren (kununu Arbeitgeberportal, abgerufen am 4. November 2026). Weil der Beschäftigungsbezug vor der Veröffentlichung nur selbst bestätigt und nicht nachgewiesen wird und die Rückmeldung anonym ist, ist Puls anfälliger für Missbrauch als eine klassische, einmalige Bewertung: Mehrfachteilnahmen, Rückmeldungen bereits ausgeschiedener Personen, Eingaben durch Wettbewerber oder koordinierte Kampagnen lassen sich an einer bloßen Selbstauskunft nicht von vornherein ausschließen. Genau dieses Nachweis-Defizit ist zugleich der rechtliche Ansatzpunkt für ein Vorgehen.
Wie hängt Puls mit der Score-Altersgewichtung zusammen?
Puls macht die jeweils aktuelle Stimmung dauerhaft auf dem Profil sichtbar. Nach Angaben von kununu fließen die Puls-Ergebnisse dabei nicht in den kununu Score oder die Weiterempfehlungsrate ein – der Score beruht weiterhin ausschließlich auf den klassischen Bewertungen. Unabhängig davon gewichtet kununu im Score seit dem 1. September 2026 aktuelle Bewertungen stärker als ältere. Beide Entwicklungen führen dazu, dass aktuelle Rückmeldungen das öffentliche Arbeitgeberbild stärker prägen. An den rechtlichen Maßstäben ändert das nichts; praktisch steigt die Bedeutung, gegen frische, nicht belegbare Einträge zügig vorzugehen.
Was können Arbeitgeber gegen rechtswidrige Puls-Einträge tun?
Gegen einen rechtswidrigen Eintrag kann Unterlassung verlangt und – soweit der Eintrag rechtswidrig ist – dessen Entfernung durchgesetzt werden, notfalls gerichtlich im Eilverfahren. Ein bloßer Löschversuch schützt nicht dauerhaft: Erst ein durchsetzbarer Unterlassungstitel verhindert, dass dieselbe Äußerung erneut erscheint; bei Verstoß drohen Ordnungsmittel. Ausführlich mit Praxisbeispiel: kununu Puls – was Arbeitgeber wissen müssen. Anlaufstelle für Arbeitgeber: Hilfe bei kununu.
Fachliche Einordnung: Rechtsanwalt Jan Meyer, SterneAdvo. Stand 2026.
Der Klarnamen-Beschluss