Berufsbezeichnung: Rechtsanwalt  ·  Zuständige Kammer: Rechtsanwaltskammer Düsseldorf
OLG-Hamburg-Kanzlei – Klarnamen-Beschluss erstritten (Az. 7 W 11/24) ✦ AKTUELL: kununu verliert Prozess in der Hauptsache Von SterneAdvo erstritten: OLG Hamburg 7 U 8/25 unanfechtbar · LG Hamburg 324 O 315/24 rechtskräftig Zur Entscheidung
Ratgeber

kununu Puls: Was Arbeitgeber zur neuen Stimmungsfunktion wissen müssen

Antwort in Kürze: Seit dem Rollout 2026 zeigt kununu Puls einen laufend aktualisierten Stimmungswert aus wöchentlichen, anonymen Mitarbeiter-Rückmeldungen. Rechtlich entscheidend ist, wie die Abgabe zustande kommt: anonym und – nach den Angaben von kununu – nur mit der Bestätigung, aktuell im Unternehmen zu arbeiten, also als Selbstauskunft ohne Nachweis eines Beschäftigungsverhältnisses. Lässt sich dieser Beschäftigungsbezug nicht überprüfen, sind Puls-Einträge angreifbar – bestreitet der Arbeitgeber einen echten Kontakt, muss das Portal den Angaben nachgehen, und gegen rechtswidrige Einträge kommt ein Unterlassungsanspruch in Betracht.

Montagmorgen, und der Wert ist gefallen

Es ist ein typisches Bild: Eine Geschäftsführerin öffnet montags das kununu-Profil ihres Unternehmens und sieht, dass der Stimmungswert über Nacht gesunken ist – dazu ein knapper, anonymer Kommentar, der eine ganze Abteilung in ein schlechtes Licht rückt. Früher waren Bewertungen statische Momentaufnahmen. Mit Puls fühlt sich das Profil plötzlich an wie ein Live-Barometer, das jede Woche neu ausschlägt. Die erste Reaktion ist verständlich: „Das muss weg." Die eigentlich entscheidende Frage ist aber eine andere: Stammt der Eintrag überhaupt nachweislich von jemandem, der bei dem Unternehmen arbeitet oder gearbeitet hat? Genau an dieser Frage entscheidet sich, ob ein Vorgehen Aussicht auf Erfolg hat.

kununu Puls in Kürze: anonym, wöchentlich, ohne Nachweis

Nach den Angaben von kununu geben Mitarbeitende einmal pro Woche in unter einer Minute anonym ihre aktuelle Stimmung ab; ein Kommentar ist freiwillig. kununu zeigt den Stimmungswert als laufend aktualisierten Gesamtwert auf dem Profil; freiwillige Freitext-Kommentare werden zusätzlich einzeln und im Volltext angezeigt – nach dem Hinweis der Funktion „anonym auf kununu sichtbar". Die Funktion wurde 2026 eingeführt und steht inzwischen allen Profilen offen. Wie die Abgabe Schritt für Schritt abläuft, ist im Lexikon unter kununu Puls beschrieben; Puls ersetzt die klassische Arbeitgeberbewertung nicht, sondern ergänzt sie um ein kontinuierliches Signal.

Warum sich Puls-Einträge angreifen lassen

Hier liegt der Kern. Eine Arbeitgeberbewertung – und auch eine einzelne Stimmungsabgabe – knüpft daran an, dass der Bewertende tatsächlich Kontakt zum Unternehmen hatte, also dort arbeitet oder gearbeitet hat. Diese Anknüpfungstatsache enthält jede Abgabe als (konkludente) Tatsachenbehauptung; fehlt der Beschäftigungskontakt, ist auch ein darauf gestütztes Werturteil nicht gerechtfertigt. Bei Puls wird dieser Bezug aber nur als Selbstauskunft abgefragt und weder nachgewiesen noch überprüfbar gemacht.

Daraus folgt ein klarer Ansatzpunkt: Bestreitet ein Arbeitgeber einen echten Kontakt, muss das Portal den Angaben nachgehen – das entspricht der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur Prüfpflicht von Bewertungsportalen bei bestrittenem Kontakt (BGH, Urteil vom 09.08.2022, Az. VI ZR 1244/20). Lässt sich der Bezug nicht substantiieren, kommt ein Unterlassungsanspruch in Betracht. Die einzelnen Freitext-Kommentare werden öffentlich im Volltext angezeigt und beim Melden je Kommentar unter einer eigenen Referenznummer geführt; schon deshalb lässt sich jeder einzelne Kommentar gezielt beanstanden. kununu weist darauf hin, die Puls-Ergebnisse seien anonym und Arbeitgeber hätten keinen Zugriff auf individuelle Angaben. Dass der Arbeitgeber den Verfasser nicht kennt, steht einem Vorgehen nicht entgegen – angegriffen wird nicht eine bestimmte Person, sondern die Zulässigkeit der Veröffentlichung. Gerade weil sich der behauptete Beschäftigungsbezug nicht überprüfen lässt, kann der Arbeitgeber ihn bestreiten; auf eine hinreichend konkrete Beanstandung hin muss das Portal als mittelbare Störerin dem Bezug nachgehen und ihn nachvollziehbar belegen oder den Beitrag entfernen. Das gilt vor allem für die einzeln im Volltext angezeigten Freitext-Kommentare, die sich konkret benennen lassen. Ob sich darüber hinaus eine einzelne, kommentarlose Stimmungsabgabe isoliert angreifen lässt, hängt davon ab, ob sie sich als eigenständiger Beitrag konkret bezeichnen lässt; soweit sie nur in den aggregierten Stimmungswert einfließt, richtet sich ein Vorgehen gegen diesen Wert, soweit er auf nicht überprüfbaren Beiträgen beruht. Ein bestimmtes Ergebnis ist damit nicht garantiert; es kommt auf den Einzelfall an. Enthält ein freiwilliger Freitext-Kommentar zusätzlich konkrete, überprüfbare und unwahre Umstände („Gehälter werden seit Monaten nicht gezahlt"), handelt es sich um eine unwahre Tatsachenbehauptung – und die muss niemand hinnehmen. „Der Hebel liegt nicht im Punktwert, sondern in der Frage, ob den einzelnen Beiträgen überhaupt ein überprüfbarer Beschäftigungsbezug zugrunde liegt", ordnet Rechtsanwalt Jan Meyer von SterneAdvo ein.

Anonyme Wochenwerte: kein Nachweis, höheres Missbrauchsrisiko

Nach den Angaben von kununu kann eine Puls-Rückmeldung nur abgeben, wer bestätigt, aktuell im Unternehmen zu arbeiten; auffällige Muster würden systemseitig geprüft und Kommentare vor Veröffentlichung moderiert – ein vollständiger Schutz vor Missbrauch lasse sich aber nicht garantieren, die Hürden seien bewusst hoch gesetzt (kununu Arbeitgeberportal, abgerufen am 4. November 2026). Entscheidend bleibt: Diese Bestätigung ist eine Selbstauskunft, kein Nachweis des Beschäftigungsverhältnisses, und die Rückmeldung ist anonym.

Das ist der Unterschied zur klassischen, einmaligen Bewertung: An einer bloßen Selbstauskunft lassen sich Mehrfachabgaben, Rückmeldungen ausgeschiedener Mitarbeitender, Eingaben von Mitbewerbern oder gesteuerte Kampagnen nicht von vornherein ausschließen. Und die Wirkung ist öffentlich: Der fortlaufend aktualisierte Stimmungswert prägt das Profil unmittelbar.

Genau dieses Nachweis-Defizit ist zugleich der rechtliche Hebel. Nach der Rechtsprechung des Oberlandesgerichts Hamburg (Beschluss vom 08.02.2024, Az. 7 W 11/24) muss das Portal auf eine konkrete Beanstandung hin den Verfasser so individualisieren, dass der betroffene Arbeitgeber den Kontakt selbst überprüfen kann – andernfalls ist die Bewertung zu entfernen; als mittelbare Störerin – nicht als Mittäterin – trifft es insoweit eine sekundäre Darlegungs- und Prüfpflicht. Geht es um den anonymen Urheber eines strafbaren oder ehrverletzenden Kommentars, unterliegt eine Auskunft über die Identität den engen Voraussetzungen des § 21 TDDDG und steht unter Richtervorbehalt – ein Automatismus zur Enttarnung ist das nicht (Hintergrund: Verfasser einer kununu-Bewertung ermitteln).

Was macht die Gewichtung aktueller Werte mit Puls?

Puls hält die jeweils aktuelle Stimmung dauerhaft sichtbar. Nach Angaben von kununu fließen die Puls-Ergebnisse dabei nicht in den kununu Score oder die Weiterempfehlungsrate ein – der Score beruht weiterhin ausschließlich auf den klassischen Bewertungen. Unabhängig davon zählt kununu im Score seit dem 1. September 2026 aktuelle Bewertungen stärker als ältere. Beide Entwicklungen führen in dieselbe Richtung: Aktuelle Rückmeldungen prägen das öffentliche Arbeitgeberbild stärker, ein jahrelang aufgebautes Polster trägt weniger weit. Je frischer eine beanstandete Äußerung, desto wichtiger wird es, zügig und richtig zu reagieren – an den rechtlichen Maßstäben ändert die Platzierung aber nichts.

Was können Arbeitgeber tun – und was nicht?

  • Nicht zielführend: bei einem einmaligen Löschversuch stehenzubleiben. Erfahrungsgemäß kommen gerade frische, emotional aufgeladene Einträge nach einer bloßen Löschung zurück.
  • Zielführend: den Beschäftigungsbezug bestreiten und das Portal zur Prüfung zwingen. Lässt sich ein echter Kontakt nicht belegen, ist der Eintrag angreifbar; ein zusätzlich unwahrer oder schmähender Kommentar verstärkt das.
  • Entscheidend: auf einen durchsetzbaren Unterlassungstitel zielen. Erst er sichert dauerhaft, dass dieselbe Äußerung nicht erneut erscheint; bei Verstoß drohen Ordnungsmittel.

Entsprechende Ansprüche lassen sich geltend machen und, wenn nötig, gerichtlich – bei Bedarf im Eilverfahren – durchsetzen. SterneAdvo hat eine unternehmerfreundliche Rechtsprechungslinie in eigenen Verfahren vor dem Landgericht und dem Oberlandesgericht Hamburg erstritten.

Fazit: Nicht beim Löschen stehenbleiben

Puls-Einträge sind kein unangreifbarer Punktwert. Weil der Beschäftigungsbezug nur behauptet, aber nicht nachgewiesen wird, lässt sich gegen nicht belegbare Einträge vorgehen – der Hebel ist der fehlende Nachweis des Beschäftigungsbezugs vor der Veröffentlichung. Wer dauerhaften Schutz will, bleibt nicht beim Löschen stehen, sondern sichert einen Unterlassungstitel. Arbeitgeber, die konkret vorgehen wollen, finden die Anlaufstelle unter kununu-Anwalt (Stand 2026).

Häufige Fragen

Was kann ich gegen eine kununu-Bewertung oder einen Puls-Eintrag tun?

Nicht beim bloßen Melden oder Löschen stehenbleiben. Lässt sich der Beschäftigungsbezug nicht belegen, den echten Kontakt bestreiten und das Portal zur Prüfung zwingen; dauerhaften Schutz bringt erst ein durchsetzbarer Unterlassungstitel, bei Verstoß drohen Ordnungsmittel.

Kann ich einen schlechten kununu-Puls-Eintrag angreifen?

Ja, wenn sich der Beschäftigungsbezug nicht überprüfen lässt. Die Abgabe erfolgt anonym und ohne Nachweis; bestreitet der Arbeitgeber einen echten Kontakt, muss das Portal den Angaben nachgehen, und gegen rechtswidrige Einträge kommt ein Unterlassungsanspruch in Betracht.

Muss man für einen kununu-Puls nachweisen, dass man dort arbeitet?

Nein, einen Nachweis verlangt kununu nicht. Nach den Angaben von kununu kann Puls nur abgeben, wer bestätigt, aktuell im Unternehmen zu arbeiten – das ist eine Selbstauskunft, kein Nachweis des Beschäftigungsverhältnisses. kununu prüft nach eigenen Angaben zwar auffällige Muster systemseitig und moderiert Kommentare vor der Veröffentlichung, verlangt für die Abgabe selbst aber keinen Nachweis. Eine Puls-Rückmeldung wirkt damit wie eine anonyme kununu-Bewertung ohne sichtbaren Beschäftigungsnachweis – was sie angreifbar macht und zugleich das Missbrauchsrisiko erhöht.

Sind Puls-Einträge anonym – und kann man den Verfasser ermitteln?

Die Abgabe ist anonym. Eine Auskunft über die Identität des Urhebers kommt nur bei strafbaren oder ehrverletzenden Inhalten und nur unter den engen Voraussetzungen des § 21 TDDDG in Betracht; sie steht unter Richtervorbehalt und ist kein Automatismus.

Ist Puls wegen der Gewichtung aktueller Werte gefährlicher als eine normale Bewertung?

Die rechtlichen Maßstäbe sind dieselben. Nach Angaben von kununu fließt Puls selbst nicht in den Score oder die Weiterempfehlungsrate ein; weil aktuelle Rückmeldungen das öffentliche Bild aber stärker prägen, steigt die praktische Bedeutung, frische Einträge schnell zu prüfen.

Reicht es, einen Eintrag bei kununu zu melden?

Melden ist ein erster Schritt. Dauerhaften Schutz bietet erst ein Unterlassungstitel, weil gelöschte Einträge sonst wieder auftauchen können.

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