Sie öffnen morgens Ihr Kununu-Profil und lesen: „Katastrophale Führungskultur, Mobbing wird geduldet, Gehälter werden verspätet gezahlt." Der Verfasser? Anonym. Der angegebene Zeitraum? Vage. Die Abteilung? Nicht nachvollziehbar. Sie wissen: Das stimmt nicht – aber wie wehren Sie sich gegen eine Bewertung, wenn Sie nicht einmal wissen, wer sie verfasst hat?
Viele Arbeitgeber fühlen sich anonymen Kununu-Bewertungen hilflos ausgeliefert. Tatsächlich haben Sie rechtliche Möglichkeiten, gegen unwahre oder nicht fundierte Bewertungen vorzugehen – auch ohne den Namen des Verfassers zu kennen. Entscheidend ist, dass Sie die richtigen Hebel ansetzen und die Rechtsprechung nutzen, die in den vergangenen Jahren eine unternehmerfreundliche Linie entwickelt hat.
Warum sind Kununu-Bewertungen überhaupt anonym?
Kununu ermöglicht Bewertungen unter Pseudonym, um Arbeitnehmern eine vermeintlich geschützte Meinungsäußerung zu ermöglichen. Die Plattform argumentiert, dass Beschäftigte nur so offen über Missstände berichten könnten, ohne berufliche Nachteile befürchten zu müssen. Dieses Konzept ist grundsätzlich legitim – es darf jedoch nicht dazu führen, dass Arbeitgeber schutzlos rufschädigenden Falschbehauptungen ausgesetzt sind.
Das Problem: Anonymität senkt die Hemmschwelle. Manche Bewertungen werden aus Frust nach einer Kündigung verfasst, andere von Personen, die nie in Ihrem Unternehmen tätig waren. Wieder andere übertreiben einzelne Vorfälle oder stellen subjektive Eindrücke als objektive Tatsachen dar. Für Sie als Arbeitgeber ist die Situation besonders belastend, weil Sie nicht wissen, gegen wen Sie sich verteidigen – und potenzielle Bewerber die Darstellung für bare Münze nehmen.
Rechtlich steht Ihnen jedoch ein Abwehranspruch zu. Kununu ist als Plattformbetreiberin mittelbare Störerin und Verbreiterin der Inhalte. Das bedeutet: Sobald Sie das Portal auf eine Rechtsverletzung hinweisen, muss es prüfen und gegebenenfalls handeln. Die Anonymität des Verfassers schützt diesen nicht vor berechtigten Ansprüchen – sie verlagert lediglich die Verantwortung zunächst auf das Portal.
Welche Bewertungen sind rechtlich angreifbar?
Nicht jede negative Bewertung ist rechtswidrig. Die Meinungsfreiheit schützt auch kritische Äußerungen über Arbeitgeber. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen zulässigen Meinungsäußerungen und unzulässigen Tatsachenbehauptungen.
Unwahre Tatsachenbehauptungen sind niemals von der Meinungsfreiheit gedeckt. Beispiele: „Gehälter werden nicht pünktlich gezahlt" (wenn das nicht stimmt), „Es gibt keine Pausenräume" (wenn es welche gibt), „Die Geschäftsführung hat Mitarbeiter XY gemobbt" (konkrete Falschbehauptung über einen Vorfall). Solche Aussagen lassen sich objektiv überprüfen – und wenn sie unwahr sind, müssen sie entfernt werden.
Schmähkritik und Formalbeleidigungen überschreiten ebenfalls die Grenze des Zulässigen. Formulierungen wie „Sklaventreiber", „kriminelle Machenschaften" oder „Abzocke" dienen nicht der sachlichen Auseinandersetzung, sondern allein der Herabsetzung. Auch hier greift kein Schutz durch die Meinungsfreiheit.
Meinungsäußerungen ohne tatsächliche Grundlage sind ein subtilerer, aber ebenso wichtiger Ansatzpunkt. Eine Meinung ist nur dann geschützt, wenn sie auf einem nachvollziehbaren Fundament steht. Kann der Verfasser nicht darlegen, dass er überhaupt in Ihrem Unternehmen tätig war – dass also ein tatsächlicher Geschäftskontakt bestand –, fehlt der Bewertung die erforderliche Tatsachengrundlage. Ohne belegten Kontakt ist auch eine vermeintliche Meinung nicht zulässig.
Dieser letzte Punkt ist besonders relevant bei anonymen Bewertungen. Denn hier können Sie oft nicht erkennen, ob die Person tatsächlich bei Ihnen beschäftigt war – und genau das ist Ihr rechtlicher Hebel.
Was bedeutet „substantiierte Rüge" konkret?
Um gegen eine anonyme Kununu-Bewertung vorzugehen, müssen Sie das Portal substantiiert rügen. Das bedeutet: Sie weisen auf konkrete Fakten hin, die die Rechtsverletzung belegen oder nahelegen. Sie müssen nicht beweisen, dass die Bewertung falsch ist – aber Sie müssen mehr liefern als ein pauschales „Das stimmt nicht".
Bei unwahren Tatsachenbehauptungen schildern Sie präzise, warum die Aussage falsch ist. Beispiel: Die Bewertung behauptet, Gehälter würden verspätet gezahlt. Sie legen dar: „Sämtliche Gehaltszahlungen erfolgten im relevanten Zeitraum fristgerecht zum 28. des Monats, wie aus den Überweisungsbelegen hervorgeht." Sie müssen die Belege in der Rüge nicht beifügen – aber Sie müssen auf deren Existenz hinweisen und konkret darlegen, warum die Behauptung unzutreffend ist.
Beim fehlenden Geschäftskontakt weisen Sie auf Widersprüche oder Unmöglichkeiten hin. Beispiel: Die Bewertung gibt an, der Verfasser habe von Januar bis Juni 2025 in der „Abteilung Vertrieb Süd" gearbeitet. Sie rügen: „Im genannten Zeitraum existierte keine Abteilung mit dieser Bezeichnung. Unser Vertrieb war damals ausschließlich zentral organisiert, eine regionale Untergliederung erfolgte erst ab Oktober 2025." Oder: „Die Bewertung nennt die Position ‚Senior Developer'. Im angegebenen Zeitraum beschäftigten wir lediglich zwei Entwickler, beide sind seit Jahren im Unternehmen und haben diese Bewertung nicht verfasst."
Wichtig: Sie weisen auf Fakten hin, die die Angaben des Verfassers infrage stellen. Sie fordern das Portal damit auf, seiner Prüfpflicht nachzukommen. Die Beweislast liegt dann beim Portal und letztlich beim Verfasser – nicht bei Ihnen.

Muss Kununu den Verfasser nach meiner Rüge individualisieren?
Ja – sofern Sie substantiiert rügen, dass kein überprüfbarer Geschäftskontakt vorliegt. SterneAdvo hat vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg eine unternehmerfreundliche Rechtsprechungslinie erstritten (Az. 7 W 11/24). Diese Maßstäbe gelten portalübergreifend und wurden in einem davon getrennten Hauptsacheverfahren einer anderen Mandantin rechtskräftig bestätigt (LG Hamburg, Urteil v. 07.02.2025, Az. 324 O 315/24; Berufungsrücknahme vor dem OLG Hamburg, Az. 7 U 8/25).
Die Vorgaben sind klar: Rügt der Bewertete substantiiert, es liege kein tatsächlicher Geschäftskontakt zugrunde, muss das Portal den Verfasser so individualisieren, dass der Bewertete den Kontakt selbst überprüfen kann – oder die Bewertung entfernen. Das ist ein striktes Entweder-Oder. Entweder macht Kununu den Kontakt für Sie überprüfbar, oder die Bewertung wird gelöscht.
Überprüfbar bedeutet: Sie müssen anhand der vom Portal vorgelegten Informationen nachvollziehen können, ob und wann die Person bei Ihnen tätig war. Anonyme Angaben wie „Angestellte/r, 2023–2024, Marketing" reichen dafür nicht aus, wenn Sie mehrere Dutzend Mitarbeiter in diesem Bereich beschäftigen. Das Portal muss konkretere Angaben machen – etwa durch Nennung der genauen Position, des exakten Beschäftigungszeitraums oder anderer individualisierender Merkmale, die eine Zuordnung ermöglichen.
Diese Rechtsprechung wendet die vom Bundesgerichtshof aufgestellten Maßstäbe (BGH VI ZR 1244/20) konsequent an: Ohne nachgewiesene Tatsachengrundlage – hier: den Geschäftskontakt – ist auch eine vermeintliche Meinung nicht geschützt. Kununu kann sich nicht darauf zurückziehen, die Anonymität des Verfassers schützen zu müssen, wenn dadurch Ihr Recht auf Schutz vor unwahren oder nicht fundierten Bewertungen ausgehöhlt wird.
Wie gehe ich praktisch gegen eine anonyme Bewertung vor?
Der erste Schritt ist immer eine sorgfältige Analyse der Bewertung. Lesen Sie den Text genau: Welche konkreten Tatsachenbehauptungen werden aufgestellt? Welche Angaben macht der Verfasser zu seiner Person, seiner Position, dem Zeitraum? Gibt es Widersprüche oder Unmöglichkeiten?
Dokumentieren Sie Ihre Erkenntnisse schriftlich. Wenn die Bewertung behauptet, in einer bestimmten Abteilung zu einer bestimmten Zeit gearbeitet zu haben, prüfen Sie: Gab es diese Abteilung damals? Wie viele Personen waren dort beschäftigt? Können Sie die Bewertung einem konkreten Vorfall oder einer bekannten Person zuordnen – oder ist die Darstellung so vage, dass sie auf niemanden zutrifft?
Außergerichtliche Rüge: Formulieren Sie eine präzise, substantiierte Rüge an Kununu. Benennen Sie die konkrete Bewertung (Link, Datum), zitieren Sie die beanstandeten Passagen und legen Sie dar, warum diese unwahr sind oder warum kein überprüfbarer Geschäftskontakt vorliegt. Setzen Sie eine angemessene Frist zur Stellungnahme oder Löschung (in der Regel sieben bis zehn Tage).
Viele Arbeitgeber scheitern an dieser Stelle, weil ihre Rüge zu pauschal ist. „Die Bewertung ist unwahr" genügt nicht. Sie müssen konkret werden: „Die Behauptung, Überstunden würden nicht vergütet, ist unzutreffend. Sämtliche Überstunden werden entweder ausgezahlt oder durch Freizeitausgleich abgegolten, wie in den Arbeitsverträgen und der Betriebsvereinbarung vom 12.03.2023 geregelt."
Reagiert Kununu nicht oder lehnt die Löschung ab, folgt der gerichtliche Weg. Hier empfiehlt sich die Beauftragung spezialisierter Rechtsberatung, die mit der aktuellen Rechtsprechung vertraut ist und die Argumentation präzise auf die Maßstäbe des Oberlandesgerichts Hamburg abstimmt.
Was passiert im gerichtlichen Verfahren?
Im gerichtlichen Verfahren machen Sie Ihre Unterlassungs- und Löschungsansprüche gegen Kununu als mittelbare Störerin geltend. Sie tragen vor, dass die Bewertung unwahre Tatsachenbehauptungen enthält oder dass kein überprüfbarer Geschäftskontakt nachgewiesen ist – und dass Kununu nach Ihrer Rüge verpflichtet war, die Bewertung zu entfernen.
Das Gericht prüft zunächst, ob Ihre Rüge substantiiert war. Haben Sie konkrete Fakten vorgetragen, die die Rechtsverletzung nahelegen? Wenn ja, wechselt die Darlegungslast: Nun muss Kununu darlegen, dass die Bewertung rechtmäßig ist – also dass die Tatsachenbehauptungen wahr sind oder dass ein überprüfbarer Geschäftskontakt bestand.
In der Praxis zeigt sich: Kununu kann diese Darlegungslast oft nicht erfüllen. Das Portal hat selbst keine Kenntnis davon, ob die Angaben des Verfassers zutreffen. Es verlässt sich darauf, dass Nutzer bei der Registrierung wahrheitsgemäße Angaben machen – eine Überprüfung findet nicht statt. Kann Kununu den Geschäftskontakt nicht überprüfbar machen, muss es die Bewertung entfernen.
Die von SterneAdvo erstrittene Rechtsprechungslinie hat hier einen entscheidenden Unterschied gemacht. Früher argumentierten Portale oft, die Anonymität des Verfassers sei schützenswert und eine Individualisierung nicht zumutbar. Nach den vom Oberlandesgericht Hamburg bestätigten Maßstäben gilt: Die Anonymität endet dort, wo sie dazu missbraucht wird, haltlose oder unwahre Behauptungen zu verbreiten. Das Portal muss den Kontakt überprüfbar machen oder die Bewertung löschen – ein Drittes gibt es nicht.
Im Erfolgsfall erlässt das Gericht eine einstweilige Verfügung oder ein Urteil, das Kununu zur Löschung und zur Unterlassung künftiger Verbreitung verpflichtet. Die Bewertung verschwindet aus Ihrem Profil. Zudem trägt das unterlegene Portal die gesetzlichen Kosten nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (§ 91 ZPO), zzgl. ges. USt..
Kann ich den Namen des Verfassers erfahren?
Die Individualisierung im Unterlassungsverfahren bedeutet nicht, dass Sie automatisch den Klarnamen des Verfassers erhalten. Ziel ist, dass Sie den Geschäftskontakt überprüfen können – nicht, dass die Identität offengelegt wird. In der Praxis kann das Portal den Kontakt durch hinreichend konkrete Angaben (exakte Position, Zeitraum, Abteilung) überprüfbar machen, ohne den Namen zu nennen.
Wenn Sie den Namen des Verfassers benötigen – etwa um zivilrechtliche Ansprüche (Schadensersatz, Unterlassung) direkt gegen die Person geltend zu machen –, ist ein separates Verfahren erforderlich. Hier kommt die Auskunft über Bestandsdaten nach dem Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz in Betracht. Bestandsdaten im Sinne von § 2 Abs. 2 Nr. 2 TDDDG umfassen Name, Anschrift und E-Mail-Adresse des Nutzers.
Für die Gestattung der Auskunft ist nach § 21 Abs. 3 S. 3/4 TDDDG das Landgericht am Sitz des Verletzten – also an Ihrem Unternehmenssitz – zuständig. Sie müssen darlegen, dass Sie durch die Bewertung in Ihren Rechten verletzt wurden und dass Sie die Bestandsdaten benötigen, um Ihre Ansprüche durchzusetzen. Das Gericht prüft die Verhältnismäßigkeit und wägt Ihre Interessen gegen das Interesse des Verfassers an Anonymität ab.
Dieser Weg ist aufwendiger als das Unterlassungsverfahren gegen das Portal. In vielen Fällen ist er jedoch nicht erforderlich, weil die Löschung der Bewertung bereits Ihr Hauptziel erreicht: Der rufschädigende Inhalt ist entfernt, Ihr Arbeitgeberprofil ist bereinigt.
Welche Fehler sollte ich unbedingt vermeiden?
Ein häufiger Fehler ist die zu pauschale Rüge. „Die Bewertung ist falsch" oder „Wir behandeln unsere Mitarbeiter gut" reicht nicht aus. Sie müssen konkret auf die einzelnen Behauptungen eingehen und darlegen, warum diese unzutreffend sind oder warum der Geschäftskontakt nicht überprüfbar ist.
Ebenso problematisch: vorschnelle öffentliche Reaktionen. Manche Arbeitgeber antworten direkt unter der Bewertung auf Kununu und widersprechen den Vorwürfen. Das kann nach hinten losgehen. Erstens geben Sie damit der Bewertung zusätzliche Aufmerksamkeit. Zweitens können unvorsichtige Formulierungen in Ihrer Antwort als Teilgeständnis oder als Bestätigung einzelner Punkte ausgelegt werden. Drittens zeigen Sie dem Verfasser, dass Sie reagieren – was ihn möglicherweise zu weiteren Bewertungen oder Eskalationen motiviert.
Besser: Dokumentieren Sie die Bewertung durch Screenshot (mit Datum und URL sichtbar), sichern Sie den vollständigen Text und gehen Sie den rechtlichen Weg. Öffentliche Stellungnahmen sollten Sie erst nach anwaltlicher Beratung und strategischer Abwägung abgeben – wenn überhaupt.
Ein weiterer Fehler ist das Abwarten. Manche Arbeitgeber hoffen, die Bewertung werde von selbst verschwinden oder durch positive Bewertungen „verdrängt". Das geschieht selten. Negative Bewertungen bleiben sichtbar und beeinflussen Ihr Arbeitgeberimage nachhaltig. Je länger Sie warten, desto mehr potenzielle Bewerber lesen die rufschädigende Darstellung – und desto schwieriger wird es, den entstandenen Schaden zu beziffern oder rückgängig zu machen.
Schließlich: Versuchen Sie nicht, selbst herauszufinden, wer die Bewertung verfasst hat, indem Sie Mitarbeiter befragen oder unter Druck setzen. Das kann arbeitsrechtliche Konsequenzen haben und wird im schlimmsten Fall als Einschüchterung oder Vergeltungsmaßnahme ausgelegt. Der rechtliche Weg über das Portal ist der saubere und zielführende Ansatz.
Wie lange dauert es, bis eine Bewertung gelöscht wird?
Das hängt vom Weg ab, den Sie wählen. Eine außergerichtliche Rüge kann innerhalb weniger Tage oder Wochen zum Erfolg führen, wenn Kununu Ihre Argumentation anerkennt und die Bewertung freiwillig entfernt. In der Praxis reagiert das Portal jedoch oft ablehnend oder gar nicht – insbesondere wenn die Rüge nicht präzise genug formuliert ist oder wenn Kununu die Rechtslage anders einschätzt.
Im gerichtlichen Eilverfahren (einstweilige Verfügung) können Sie innerhalb von zwei bis vier Wochen eine Entscheidung erreichen. Voraussetzung ist, dass Sie die Dringlichkeit darlegen – also dass Ihnen durch die Bewertung ein nicht wieder gutzumachender Schaden droht, wenn sie weiter online bleibt. Das ist bei rufschädigenden Bewertungen in der Regel der Fall, insbesondere wenn Sie aktuell Mitarbeiter suchen oder wenn die Bewertung prominent auf Ihrem Profil erscheint.
Ein Hauptsacheverfahren dauert länger – je nach Gericht und Auslastung mehrere Monate. Es bietet jedoch den Vorteil, dass das Urteil rechtskräftig wird und damit eine endgültige Klärung schafft. Zudem können Sie im Hauptsacheverfahren umfassender argumentieren und Beweismittel einbringen.
In jedem Fall gilt: Je früher Sie handeln, desto schneller ist die Bewertung entfernt. Jeder Tag, an dem die rufschädigende Darstellung online steht, ist ein Tag, an dem potenzielle Bewerber sie lesen und Ihr Arbeitgeberimage leidet.
Was kostet es, eine anonyme Kununu-Bewertung löschen zu lassen?
Die Kosten hängen davon ab, ob das Verfahren außergerichtlich oder gerichtlich geführt wird. Für die außergerichtliche Vertretung – also die Prüfung der Bewertung, die Formulierung der Rüge und die Korrespondenz mit Kununu – arbeiten spezialisierte Kanzleien in der Regel auf Basis eines Festpreises. Das gibt Ihnen Planungssicherheit und vermeidet unkalkulierbare Abrechnungen nach Stunden.
Im gerichtlichen Verfahren richtet sich die Kostenerstattung nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz. Obsiegen Sie, trägt das unterlegene Portal die gesetzlichen Kosten gemäß § 91 ZPO, zzgl. ges. USt.. Ihre eigene Vergütungsvereinbarung mit der Kanzlei wird individuell getroffen und berücksichtigt den Umfang und die Komplexität des Falls.
Wichtig: Die Investition in rechtliche Schritte gegen eine rufschädigende Bewertung ist eine Investition in Ihr Arbeitgeberimage. Eine einzige negative Bewertung kann dazu führen, dass qualifizierte Bewerber sich gegen Ihr Unternehmen entscheiden. Die Kosten für Recruiting, Personalmarketing und möglicherweise entgangene Geschäftschancen übersteigen die Kosten der rechtlichen Klärung oft um ein Vielfaches.
Wenn Sie prüfen lassen möchten, ob und wie eine Bewertung anwaltlich gelöscht werden kann, bietet sich ein Erstgespräch an, in dem die Erfolgsaussichten und das weitere Vorgehen besprochen werden.
Gilt die Rechtsprechung auch für andere Bewertungsportale?
Ja. Die vom Oberlandesgericht Hamburg bestätigten Maßstäbe gelten portalübergreifend. Sie beruhen auf allgemeinen zivilrechtlichen Grundsätzen – insbesondere auf der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur Meinungsfreiheit und zum Schutz vor unwahren Tatsachenbehauptungen. Diese Maßstäbe sind nicht auf Kununu beschränkt, sondern gelten für alle Plattformen, auf denen Nutzer Bewertungen abgeben können.
Das bedeutet: Auch bei Google-Rezensionen, Trustpilot, Glassdoor oder branchenspezifischen Portalen können Sie gegen unwahre oder nicht fundierte Bewertungen vorgehen. Die Argumentation ist dieselbe: Unwahre Tatsachenbehauptungen sind nicht geschützt, und Meinungsäußerungen ohne nachgewiesene Tatsachengrundlage – etwa ohne überprüfbaren Geschäftskontakt – sind ebenfalls unzulässig.
In der Praxis unterscheiden sich die Portale in ihrer Reaktion auf Rügen. Manche löschen Bewertungen schneller, andere sind restriktiver. Die rechtlichen Maßstäbe jedoch sind dieselben, und im gerichtlichen Verfahren müssen sich alle Portale daran messen lassen.
Für Arbeitgeber bedeutet das: Sie sind nicht schutzlos, nur weil eine Bewertung auf einer bestimmten Plattform erscheint. Die Rechtsprechung hat klargestellt, dass Ihr Recht auf Schutz vor Rufschädigung nicht hinter der Anonymität oder der Plattformfreiheit zurücktreten muss.
Wann sollte ich anwaltliche Unterstützung hinzuziehen?
Sobald eine Bewertung konkrete unwahre Tatsachenbehauptungen enthält oder Sie substantiiert darlegen können, dass kein überprüfbarer Geschäftskontakt bestand, ist anwaltliche Unterstützung sinnvoll. Die Formulierung der Rüge ist entscheidend: Sie muss präzise, substantiiert und rechtlich fundiert sein, um Kununu zur Reaktion zu bewegen oder im gerichtlichen Verfahren zu überzeugen.
Spezialisierte Rechtsberatung kennt die aktuelle Rechtsprechung und weiß, welche Argumente bei Gerichten und Portalen verfangen. Sie vermeidet die typischen Fehler, die dazu führen, dass Rügen abgelehnt oder Verfahren verloren werden. Zudem kann sie einschätzen, ob ein außergerichtlicher Weg erfolgversprechend ist oder ob direkt der gerichtliche Weg beschritten werden sollte.
Ein weiterer Vorteil: Anwaltliche Korrespondenz wird von Portalen ernster genommen als Beschwerden von Betroffenen selbst. Kununu weiß, dass hinter einer anwaltlichen Rüge die Bereitschaft steht, notfalls gerichtlich vorzugehen – und dass die Argumentation rechtlich geprüft ist. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Portal die Bewertung freiwillig entfernt.
Schließlich: Anwaltliche Unterstützung gibt Ihnen Sicherheit. Sie müssen sich nicht selbst in die komplexe Materie einarbeiten, keine Fristen überwachen und keine Formulierungen abwägen. Sie können sich auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren, während die rechtliche Klärung professionell vorangetrieben wird.
Wenn Sie eine rufschädigende anonyme Kununu-Bewertung erhalten haben und prüfen möchten, welche Schritte in Ihrem Fall sinnvoll sind, können Sie ein Erstgespräch vereinbaren, in dem wir die Erfolgsaussichten und das weitere Vorgehen besprechen – und prüfen, ob und wie eine Zusammenarbeit in Betracht kommt.