Die Sphärentheorie ist ein von der Rechtsprechung entwickeltes Modell, das den Schutz des allgemeinen Persönlichkeitsrechts nach der Nähe zur Persönlichkeit abstuft – von der besonders geschützten Intimsphäre über die Privatsphäre bis zur weniger geschützten Sozialsphäre. Je persönlichkeitsnäher die betroffene Sphäre, desto stärker der Schutz.
Die Sphärentheorie ordnet das Persönlichkeitsrecht in abgestufte Schutzbereiche. Nach der Rechtsprechung des BVerfG und des BGH bestimmt sich das Gewicht des Persönlichkeitsschutzes danach, welcher Lebensbereich betroffen ist. Diese Abstufung fließt unmittelbar in die Güterabwägung ein und entscheidet mit, ob eine Äußerung hinzunehmen ist.
Welche Sphären unterscheidet die Rechtsprechung?
Unterschieden werden im Kern drei Bereiche. Die Intimsphäre umfasst den innersten, höchstpersönlichen Bereich und genießt den stärksten, weitgehend abwägungsfesten Schutz. Die Privatsphäre betrifft das Privat- und Familienleben und ist ebenfalls stark geschützt. Die Sozialsphäre erfasst das Wirken in der Öffentlichkeit, insbesondere den beruflichen Bereich, und ist am wenigsten geschützt.
Warum ist die Sphäre bei Bewertungen entscheidend?
Bewertungen betreffen typischerweise die berufliche oder geschäftliche Tätigkeit und damit die Sozialsphäre. In diesem Bereich muss der Betroffene auch scharfe und unangenehme Kritik grundsätzlich hinnehmen, weil er sich mit seinem beruflichen Handeln bewusst der Öffentlichkeit zuwendet. Greift eine Bewertung dagegen in die Privat- oder gar Intimsphäre über, verschiebt sich die Abwägung deutlich zugunsten des Betroffenen.
Wann kippt der Schutz zugunsten des Betroffenen?
Je näher eine Äußerung dem Kern der Persönlichkeit kommt, desto eher ist sie unzulässig. Enthält eine Bewertung Angaben aus dem Privatleben, die mit der beruflichen Leistung nichts zu tun haben, ist der Eingriff regelmäßig schwerer zu rechtfertigen. In solchen Fällen kann sich ein Unterlassungsanspruch ergeben, den man geltend machen und, wenn nötig, gerichtlich durchsetzen kann.
Der Klarnamen-Beschluss