Berufsbezeichnung: Rechtsanwalt  ·  Zuständige Kammer: Rechtsanwaltskammer Düsseldorf
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Rechtslexikon

Was ist Verdachtsberichterstattung?

Kurzdefinition

Die Verdachtsberichterstattung ist die öffentliche Darstellung eines noch nicht erwiesenen Vorwurfs oder Verdachts gegen eine Person oder ein Unternehmen. Sie ist nur unter engen Voraussetzungen zulässig, insbesondere bei einem Mindestbestand an Beweistatsachen, einem öffentlichen Interesse und einer ausgewogenen, den Verdachtscharakter wahrenden Darstellung.

Die Verdachtsberichterstattung betrifft Äußerungen über Vorgänge, die noch nicht abschließend geklärt sind. Weil ein bloßer Verdacht schwer wiegt und den Ruf nachhaltig beschädigen kann, hat die Rechtsprechung des BGH strenge Anforderungen entwickelt, unter denen über unbewiesene Vorwürfe berichtet werden darf. Diese Grundsätze wirken auch auf Bewertungen aus, wenn ein Bewerter Vorwürfe als offene Vermutung formuliert.

Welche Voraussetzungen muss eine zulässige Verdachtsberichterstattung erfüllen?

Nach der Rechtsprechung des BGH bedarf es eines Mindestbestands an Beweistatsachen, die für den Wahrheitsgehalt des Verdachts sprechen. Es muss ein Informationsinteresse der Öffentlichkeit bestehen, dem Betroffenen ist grundsätzlich Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben, und die Darstellung darf nicht vorverurteilend sein. Fehlt eine dieser Voraussetzungen, kann die Äußerung rechtswidrig sein.

Was bedeutet das für Vorwürfe in Online-Bewertungen?

Formuliert ein Bewerter einen konkreten Verdacht – etwa über ein bestimmtes Fehlverhalten –, ohne dafür belastbare Anknüpfungspunkte zu haben, fehlt es regelmäßig am Mindestbestand an Beweistatsachen. Ein anonymer Bewerter erfüllt die Sorgfaltsanforderungen der Verdachtsberichterstattung praktisch nie. Hier verschiebt sich die Güterabwägung häufig zugunsten des Betroffenen.

Wie grenzt sich die Verdachtsberichterstattung von der verdeckten Tatsachenbehauptung ab?

Wer einen Verdacht so formuliert, dass beim Leser der Eindruck einer feststehenden Tatsache entsteht, verlässt den Boden der Verdachtsberichterstattung. Dann kann eine verdeckte Tatsachenbehauptung vorliegen, die an den strengen Maßstäben für Tatsachen zu messen ist. Maßgeblich ist stets, wie ein durchschnittlicher Leser die Äußerung im Gesamtzusammenhang versteht.

Rechtsanwalt Jan Meyer
Rechtsanwalt Jan Meyer Geschäftsführer · SterneAdvo Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

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Häufige Fragen

Darf ein Bewerter überhaupt einen Verdacht äußern?

Ein Verdacht darf nur unter den engen Voraussetzungen der Verdachtsberichterstattung geäußert werden. Dazu gehört ein Mindestbestand an Beweistatsachen und eine den Verdachtscharakter wahrende, nicht vorverurteilende Darstellung. Fehlt beides, kann die Äußerung unzulässig sein.

Was kann ich gegen einen unbelegten Verdacht in einer Bewertung tun?

Erfüllt die Äußerung die Anforderungen der Verdachtsberichterstattung nicht, kommt ein Unterlassungsanspruch in Betracht. Diesen kann man geltend machen und, wenn nötig, gerichtlich, notfalls im Eilverfahren, durchsetzen. Der erste Schritt ist eine juristische Prüfung des konkreten Wortlauts.

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